Point of No Return

Aktuell

Point of No Return

Wende und Umbruch in der ostdeutschen Kunst

23.07. — 03.11.2019

Lutz Friedel, Adler (Die Brüder), 1989, Privatbesitz, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, © VG Bild-Kunst Bonn, 2019
Lutz Friedel, Adler (Die Brüder), 1989, Privatbesitz, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, © VG Bild-Kunst Bonn, 2019
Clemens Gröszer, Marin á cholie, 1991-1992,  Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, © VG Bild-Kunst Bonn, 2019
Clemens Gröszer, Marin á cholie, 1991-1992, Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, © VG Bild-Kunst Bonn, 2019
Cornelia Schleime, o.T. (aus: Horizontebilder), 1985-1986, Sammlung Leo Lippold, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, © Künstlerin
Cornelia Schleime, o.T. (aus: Horizontebilder), 1985-1986, Sammlung Leo Lippold, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, © Künstlerin
Doris Ziegler, Große Passage, 1989-1990, Privatbesitz, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, © VG Bild-Kunst Bonn, 2019
Doris Ziegler, Große Passage, 1989-1990, Privatbesitz, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, © VG Bild-Kunst Bonn, 2019
Hans Ticha, Der Agitator (Rufer), 1988, Galerie Läkemäker Berlin, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, © VG Bild-Kunst Bonn, 2019
Hans Ticha, Der Agitator (Rufer), 1988, Galerie Läkemäker Berlin, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, © VG Bild-Kunst Bonn, 2019
Hans Winkler, Konstruktive Beschwörung, 1991, Nachlass Hans Winkler, Chemnitz, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, © VG Bild-Kunst Bonn, 2019
Hans Winkler, Konstruktive Beschwörung, 1991, Nachlass Hans Winkler, Chemnitz, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, © VG Bild-Kunst Bonn, 2019
Jürgen Schäfer, Ich und Ich (I), 1980,  Privatbesitz, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, © Künstler
Jürgen Schäfer, Ich und Ich (I), 1980, Privatbesitz, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, © Künstler
Lutz Fleischer: Trunkenes Paar, 1981, Privatbesitz, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, © Künstler
Lutz Fleischer: Trunkenes Paar, 1981, Privatbesitz, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, © Künstler
Norbert Wagenbrett, Aufbruch, 1990, Kunstarchiv Beeskow, Foto: Andreas Kämper, © VG Bild-Kunst Bonn, 2019
Norbert Wagenbrett, Aufbruch, 1990, Kunstarchiv Beeskow, Foto: Andreas Kämper, © VG Bild-Kunst Bonn, 2019
Trak Wendisch, Zungenabschneider, 1988, Privatbesitz, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, © VG Bild-Kunst Bonn, 2019
Trak Wendisch, Zungenabschneider, 1988, Privatbesitz, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, © VG Bild-Kunst Bonn, 2019
Wasja Götze, Die reizende Mauer, 1988, Privatbesitz, Foto: Künstler, © Künstler
Wasja Götze, Die reizende Mauer, 1988, Privatbesitz, Foto: Künstler, © Künstler

Dreißig Jahre nach „1989“ ist es Zeit, aus der Perspektive der bildenden Künste auf die Friedliche Revolution in der DDR, sowie den gesellschaftlichen Umbruch in Ostdeutschland zu blicken. „Point of No Return“ zeigt auf zirka 1.500 Quadratmetern mehr als 300 Werke aller Gattungen von 106 KünstlerInnen. Gerade Leipzig, als der symbolische Hauptort der Friedlichen Revolution, ist prädestiniert für die deutschlandweit erste große Exposition zu diesem Thema, die als wichtigste Ausstellung im 30. Jubiläumsjahr der Friedlichen Revolution gelten kann.

Die Ausstellung - kuratiert von Paul Kaiser, Christoph Tannert und Alfred Wedinger - bezieht die unmittelbare Vorgeschichte der Friedlichen Revolution ebenso ein, wie die Transformationszeit nach „1989“. Sie zeigt somit die bereits in den 1980er Jahren auffallenden „Risse in der Mauer“ und deren Gründe. Und sie thematisiert den unerwarteten Fall der Mauer wie die Neudefinition künstlerischen Schaffens im gesellschaftlichen Umbruch. Dies geschieht nicht zuletzt deshalb, da wichtige Werke einer künstlerisch-reflexiven Bezugnahme auf die Friedliche Revolution einerseits als Antizipation, Ahnung oder Aktion bereits im Vorfeld der revolutionären Ereignisse erfolgten und andererseits gültige Positionen erst mit Distanz, Abstand und beobachtetem Wandel gesellschaftlicher Zusammenhänge zu entstehen vermochten.

So bindet „Point of No Return“ zur Veranschaulichung des spannungsvollen Gesamtzusammenhangs gleichermaßen Arbeiten von „Hiergebliebenen“, „Rebellen und Reformern“ sowie Werke von „Dissidenten“ ein, welche die DDR zum Mauerfall 1989 bereits hinter sich gelassen hatten. Diese Auswahl umfasst Formen „innerer und äußerer Emigration“ über die Haltung „kritischer Loyalität“ bis hin zur sozialistischen Hoffnung auf Reformen im seinerzeit für viele fast schon nostalgisch wirkenden „Aufruf für unser Land“ (26. November 1989). Neu ist ebenso, dass Arbeiten von KünstlerInnen gezeigt werden, die zwar noch in der DDR geboren wurden aber nicht mehr die unmittelbare Erfahrung eines Lebens im Staatssozialismus mit ihren älteren Kollegen teilen. Interessant ist, dass sich viele junge KünstlerInnen heute ganz bewusst in einen Kontext ostdeutscher Kunstproduktion stellen, dabei Fragen von Herkunft, Tradierung von Eigensinn und Mentalität oder auch von Hegemonie und „Kolonialisierung“ aufgreifend.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Hirmer Verlag München, hrsg. von Alfred Weidinger, Paul Kaiser und Christoph Tannert. Der Band mit ca. 440 Seiten und über 240 Abbildungen ist im Museumsshop für € 35 und im Buchhandel für € 45 erhältlich.

"Point of No Return“ zeigt Werke von:
Thomas Baumhekel, Dieter Bock von Lennep, Rainer Bonar, Roland Borchers, Martin Borowski, Micha Brendel, Kurt Buchwald, Henri Deparade, Michael Diller, Goran Djurovic, Hartwig Ebersbach, Jens Elgner, Günter Firit, Lutz Fleischer, Petra Flemming, Thomas Florschuetz, Lutz Friedel, Ellen Fuhr, Albrecht Gehse, Hubertus Giebe, Sighard Gille, Rainer Görß, Moritz Götze, Wasja Götze, Peter Graf, Hans-Hendrik Grimmling, Clemens Gröszer, Klaus Hähner-Springmühl, Angela Hampel, Erich-Wolfgang Hartzsch, Eberhard Havekost, Andreas Hegewald, Bernhard Heisig, Johannes Heisig, Frank Herrmann, Sabine Herrmann, Madeleine Heublein, Frenzy Höhne, Martin Hoffmann, Uta Hünniger, Roland Jahn, Petra Kasten, Ralf Kerbach, Klaus Killisch, Thoralf Knobloch, Andreas Küchler, Michael Kunert, Helge Leiberg, Via Lewandowsky, Walter Libuda, Werner Liebmann, Martin Maleschka, Oskar Manigk, Martin Mannig, Wolfgang Mattheuer, Peggy Meinfelder, Florian Merkel, Harald Metzkes, Gerhard Kurt Müller, Henrike Naumann, Roland Nicolaus, Josef Nowinka, Gudrun Petersdorff, Wolfgang Petrovsky, Wolfgang Peuker, Uwe Pfeifer, Stefan Plenkers, David Polzin, Neo Rauch, Arno Rink, Eve Rub, Frank Rub, Reinhard Sandner, Rainer Schade, Jürgen Schäfer, Wolfram Adalbert Scheffler, Hans Scheib, Hans Scheuerecker, Jürgen Schieferdecker, Einar Schleef, Christine Schlegel, Cornelia Schleime, Gil Schlesinger, Bernd Schlothauer, Annette Schröter, Hans-Joachim Schulze, Frank Seidel, Roger Servais, Willi Sitte, Wolfgang Smy, Reinhard Stangl, Volker Stelzmann, Strawalde (Jürgen Böttcher), Erika Stürmer-Alex, Hans Ticha, Werner Tübke, Joachim Völkner, Frank Voigt, Joerg Waehner, Norbert Wagenbrett, Ulla Walter, Trak Wendisch, Jürgen Wenzel, Hans Winkler, Michael Wirkner und Doris Ziegler.

„Point of No Return“ wird gefördert durch die Peter und Irene Ludwig Stiftung und die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung.

Eröffnung: 22.07.219, 18 Uhr

Clemens Gröszer, Marin á cholie, 1991-1992,  Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, © VG Bild-Kunst Bonn, 2019
Clemens Gröszer, Marin á cholie, 1991-1992, Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst, Foto: InGestalt/Michael Ehritt, © VG Bild-Kunst Bonn, 2019