Zu Gast aus Los Angeles: Aelbert Cuyp

Aktuell

Zu Gast aus Los Angeles: Aelbert Cuyp

Die Wiedervereinigung eines Gemäldes

13.04. — 10.07.2022

Aelbert Cuyp, Ansicht von Dordrecht, um 1647, MdbK
Aelbert Cuyp, Ansicht von Dordrecht, um 1647, MdbK
Aelbert Cuyp, Ansicht von Dordrecht, um 1647, LACMA Los Angeles
Aelbert Cuyp, Ansicht von Dordrecht, um 1647, LACMA Los Angeles
Aelbert Cuyp, Ansicht von Dordrecht, um 1647, LACMA Losangeles & MdbK
Aelbert Cuyp, Ansicht von Dordrecht, um 1647, LACMA Losangeles & MdbK

Zwei Gemälde von Aelbert Cuyp (1620 - 1691), die heute dem Los Angeles County Museum of Art USA, und MdbK Leipzig gehören, zeigen Ansichten seiner Heimatstadt Dordrecht in Holland. Ursprünglich waren diese beiden Bilder die linke und rechte Hälfte eines panoramaartigen Gemäldes. Jüngere kunsthistorische und technische Untersuchungen in Leipzig, Los Angeles und Dordrecht haben die erstmals 1972 geäußerte Annahme einer Zusammengehörigkeit bestätigt. Bereits mit bloßem Auge ist zu erkennen, dass die Uferzone im Vordergrund, der Fluss und die Stadt im Hintergrund auf beiden Bildern in der gleichen Pinselführung wiedergegeben sind. Außerdem überliefert eine Zeichnung von Aert Schouman (1710 -1792) aus dem Jahr 1759 das ursprüngliche Aussehen des Gemäldes mit beiden Hälften.

Die militärischen Stadtbefestigungen und der Soldat im Vordergrund neben dem Angler deuten darauf hin, dass der Frieden, den das Bild ausstrahlt, nicht selbstverständlich ist. Tatsächlich wurde das Bild kurz vor Ende des 30-jährigen Krieges (vermutlich 1647) gemalt. Auf dem Fluss erkennen wir eine vollbesetzte Passagierfähre, wie sie zwischen den holländischen Städten verkehrten. Cuyp entwickelte sich später zu einem Spezialisten für arkadische Landschaften im warmen Sonnenlicht. In diesem Frühwerk ist er noch von der reduzierten Farbigkeit Jan van Goyens (1596-1656) beeinflusst.

Das Gemälde aus Los Angeles tauchte erstmals 1822 in einer Nachlassauktion in Amsterdam auf. Zwischen 1759 und 1822 muss das ursprüngliche Großformat also auseinandergesägt worden sein. In dieser Zeit erzielten Gemälde Cuyps auf dem europäischen Kunstmarkt hohe Preise. Das könnte ein Grund dafür gewesen sein, die Holztafel in zwei Teile zu sägen.

Die lange Jan van Goyen zugeschriebene Leipziger Hälfte erwarb der Kunsthistoriker Wilhelm von Bode 1892 in London im Auftrag des Leipziger Sammler Alfred Thieme und publizierte sie 1900 als ein Werk Aelbert Cuyps. 1916 kam das Bild aus dem Nachlass von Alfred Thieme in die Sammlung des MdbK. Der über die Jahre stark vergilbte Firniss wurde 2021 im MdbK entfernt und damit die ursprüngliche, kühle Farbigkeit der Darstellung wieder sichtbar gemacht. Die Restaurierung bot zugleich die Chance, zahlreiche technologische Untersuchungen durchzuführen wie Auflicht, extremes Streiflicht, mikroskopische Betrachtung und Röntgenstrahlenanalyse. Über die Untersuchungen und ihre Ergebnisse gibt eine kleine Präsentation nebem dem wiedervereinten Gemälde Auskunft. 
 

Aelbert Cuyp, Ansicht von Dordrecht, um 1647, LACMA Los Angeles
Aelbert Cuyp, Ansicht von Dordrecht, um 1647, LACMA Los Angeles