Sammlung im Blick: Leipziger Schule

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Sammlung im Blick: Leipziger Schule

11.08. — 08.11.2020

Wolfram Ebersbach, Hausfassade, 1974, © VG Bild-Kunst Bonn, 2020
Wolfram Ebersbach, Hausfassade, 1974, © VG Bild-Kunst Bonn, 2020
Gudrun Brüne, Das Ende der Spielzeugwelt, 1987 © VG Bild-Kunst Bonn, 2020
Gudrun Brüne, Das Ende der Spielzeugwelt, 1987 © VG Bild-Kunst Bonn, 2020
Sighard Gill, Fähre (Überfahrt), 1977, © VG Bild-Kunst Bonn, 2020
Sighard Gill, Fähre (Überfahrt), 1977, © VG Bild-Kunst Bonn, 2020
Max Schwimmer, Vorstadtstraße in Leipzig, 1935, © Nachlass Max Schwimmer
Max Schwimmer, Vorstadtstraße in Leipzig, 1935, © Nachlass Max Schwimmer
Gunter Thiele, Brücke in Plagwitz, 1969, © VG Bild-Kunst Bonn, 2020
Gunter Thiele, Brücke in Plagwitz, 1969, © VG Bild-Kunst Bonn, 2020
Doris Ziegler, Esse 1, 1977, © VG Bild-Kunst Bonn, 2020
Doris Ziegler, Esse 1, 1977, © VG Bild-Kunst Bonn, 2020

Die in den 1970er-Jahren geprägte Bezeichnung „Leipziger Schule“ geht auf die 1961 durch Bernhard Heisig gegründete Malklasse an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) zurück. Hier ist der Ursprung eines Netzwerks von Künstler*innen, welches über die HGB weit hinausgeht.

In der Sammlung des MdbK befinden sich neben Werken der zentralen Figuren der „Leipziger Schule“ Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer, Gerhard Kurt Müller undWerner Tübke auch Arbeiten von Gudrun Brüne, Angelika Tübke, Günter Thiele, Hans Mayer-Foreyt, Wolfram Ebersbach, Ulrich Hachulla, Petra Flemming, Arno Rink, Irene Kiele, Doris Ziegler, Volker Stelzmann, Frank Ruddigkeit, Sighard Gille, Wolfgang Peuker, Klaus Schwabe und vielen anderen.

Die Künstler*innen, die man heute der „Leipziger Schule“ zuordnet, eint die figurative Darstellung. Doch während Brüne, Gille und Heisig expressiv arbeiten, erscheint bei Mattheuer, Hachulla, Ziegler und Stelzmann die Handschrift sachlich-realistisch, bei Angelika und Werner Tübke gar frühneuzeitlich. Mythologische und christliche Themen und Formsprachen finden sich nicht nur bei Flemming, Heisig und Peuker wieder. Vor allem in den 1980er Jahren wurden in der Malerei aktuelle Themen mit historischen Mitteln kritisch kommentiert.

Dennoch mussten sich Kunstschaffende der DDR den Vorwurf anhören, sie seien systemkonforme „Staatskünstler“ und ihre Werke Mittel zur sozialistischen Erziehung. Die Kunst der „Leipziger Schule“ konnte trotzdem internationale Erfolge verbuchen. Im offiziellen Kunstgeschehen der DDR waren die Werke zwar nicht unumstritten, aber die Anerkennung verschaffte den Künstler*innen in den 1950er- und 60er Jahren gewisse Freiräume.

Zu den Wegbereiter*innen der „Leipziger Schule“ können Max Schwimmer, Trude Massloff-Zierfuss, Kurt Massloff, Klaus Weber, Gabriele Meyer-Dennewitz, Kurt Magritz, Ernst Hassebrauk und Elisabeth Voigt gezählt werden. Kurt Massloff, ab 1947 Professor und Rektor der späteren HGB (ab 1950) sowie SED-Mitglied, einte als Künstler, von dem es sich zu distanzieren galt, die „Leipziger Schule“-Akteure Heisig, Tübke und Mattheuer.

Die Schüler*innengeneration  dieser drei Künstler der ersten „Leipziger Schule“ wird teilweise auch „Zweite Leipziger Schule“ genannt. Einige ihrer Akteur*innen wurden später selbst Dozent*innen und sorgten somit dafür, dass die Tradition der „Leipziger Schule“ fortgeführt wurde und sich auch unter veränderten politischen Bedingungen weiterentwickeln konnte.

Gudrun Brüne, Das Ende der Spielzeugwelt, 1987 © VG Bild-Kunst Bonn, 2020
Gudrun Brüne, Das Ende der Spielzeugwelt, 1987 © VG Bild-Kunst Bonn, 2020