Soft Utopian City

Klara Meinhardt 

Im großen Hof im Erdgeschoss des MdbK türmen sich bereits aus der Ferne gut sichtbare, blau leuchtende Elemente aus weichem Material. Es handelt sich um die 47-teilige Installation Soft Utopian City (dt.: weiche utopische Stadt) der in Leipzig lebenden Künstlerin Klara Meinhardt. Diese Kunst darf nicht nur, sie soll angefasst werden. Alle Besucher*innen, ob klein oder groß, dürfen die Objekte bewegen und zu immer wieder neuen Konstellationen zusammenstellen. Jede und jeder darf eine eigene Stadt bauen, frei und voller Fantasie.

Klara Meinhardt, Soft Utopian City (Detail), 2024/25,© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Klara Meinhardt, Soft Utopian City (Detail), 2024/25,© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Klara Meinhardt, Soft Utopian City, 2024/25, Installationsansicht, Klara Meinhardt, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Klara Meinhardt, Soft Utopian City, 2024/25, Installationsansicht, Klara Meinhardt, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Klara Meinhardt, Soft Utopian City mit Künstlerin Klara Meinhardt, 2024/25, Installationsansicht,
Klara Meinhardt, Soft Utopian City mit Künstlerin Klara Meinhardt, 2024/25, Installationsansicht,
Klara Meinhardt, Soft Utopian City, 2024/25 Installationsansicht, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Klara Meinhardt, Soft Utopian City, 2024/25 Installationsansicht, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Klara Meinhardt, Soft Utopian City (Detail), 2024/25 © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Klara Meinhardt, Soft Utopian City (Detail), 2024/25 © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Klara Meinhardt befasst sich intensiv mit städtischen Räumen, sei es, dass sie die Verdrängung von Natur in den Blick nimmt oder sich mit den Materialitäten von Architektur beschäftigt. Letzterem spürt sie in Soft Utopian City nach. Nachhaltiges Bauen mit natürlichen Werkstoffen, etwa mit Holz und lokalem Gestein, interessiert sie dabei ebenso wie die Gestaltungsmöglichkeiten und das formgebende Potential, die allen Materialien innewohnen. Auch die Veränderungen von Landschaften durch Rohstoffabbau oder die Weiterverarbeitung von Bauschutt nimmt sie in den Blick.

In der Installation Soft Utopian City gelingt es Meinhardt, das Urbane mit der Natur zu verbinden. Die einzelnen Schaumstoffelemente geben sich organisch. Ihre Formen sind der Natur entlehnt, doch hat sie die Künstlerin frei erfunden. Die Stoffbezüge hat Meinhardt mit Motiven bedruckt, die ihr in Steinbrüchen und im Wald begegnet sind. Dort fotografierte sie unter anderem Sandsteinoberflächen und Wasserläufe. Doch finden sich unter den Motiven auch vergrößerte Details von zerbrochenem Glas oder einem Betonzaun im charakteristischen, geometrischen DDR-Design. Zudem basiert das Druckverfahren, mit dem Meinhardt die Bezüge gestaltet hat auf der mit Natur eng verbundenen Technik der Cyanotypie.

Bei der Cyanotypie handelt sich um ein 1842 entwickeltes, fotografisches Edeldruckverfahren. Für die Belichtung der Oberflächen diente ursprünglich das Licht der Sonne, seit Ende des 19. Jahrhunderts wird auch elektrisches Licht verwendet. Meinhardt arbeitet mit UV-Licht. Als Bildträger nutzt sie Baumwollstoffe, doch können ebenso Nessel, Papiere, Holz und Stein verwendet werden. Die Oberflächen werden mit einer lichtempfindlichen Lösung getränkt und dann mit Objekten oder Schablonen belegt, die die Partien abdecken, die auswaschbar bleiben sollen und schließlich weiß erscheinen werden. Auf den bestrahlten Partien verwandelt sich die Lösung in eine wasserunlösliche Schicht und färbt sich Blau – präziser „Berlin-Blau“.

Die Soft Utopian City ist somit temporär angelegt, ebenso wie der zyklische Kreislauf der Natur, der auf Wachstum, Erneuerung und Vergänglichkeit beruht. 

Wir bitten Sie um Umsicht bei der Verwendung der Elemente. Die Benutzung erfolgt auf eigene Gefahr.