Sense of Discovery

Das neue Halbjahresprogramm ist da: Unter dem Motto "Sense of Discovery" möchten wir Sie zu einer Entdeckungstour im MdbK einladen. Das Heft können Sie kostenlos im Museum mitnehmen.

Von kleinen und großen Entdeckungen

Entdeckungen prägen unser Leben. Manche denken bei dem Wort an ganz Großes, wie neue Planeten oder neue Erkenntnisse. Andere verbinden mit dem Entdecken eher Kleines, Privates wie die ersten Milchzähne oder eine neue Liebe. Mitunter bedeuten Entdeckungen jedoch auch Schwierigkeiten. Der koloniale Entdeckergestus der Moderne und seine Resonanzen in der Kunst werden heute zu Recht kritisch diskutiert. Auch fordert die unvermittelte Präsenz des Neuen – das nun, da wir es erkannt haben, in der Welt ist – oft Auseinandersetzung ein. Die Entdeckerin ist deshalb immer mutig, denn sie muss seltsamen Begleiterinnen über den Weg trauen: der Intuition, der Frage und der Neugier. Entdeckungen können aber auch magisch sein, haben sie doch die Kraft, Gegebenes plötzlich zu verändern.

Dass das MdbK ein magischer Ort sein kann, möchten wir Ihnen in der nächsten Zeit in besonderem Maße zeigen. Künstlerinnen, die bisher nur aus Archiven bekannt waren, treten mit ihren Werken in Erscheinung. Die Schenkung Bühler-Brockhaus kann in neuen Räumen wiederentdeckt werden. Kunstwerke kommen von weit her. Andere haben nach Jahren unser Magazin verlassen, weil die Besucher*innen der Ausstellung Bilderkosmos Leipzig. 1905 – 2022 angeregt haben, unsere Präsentation neu zu konzipieren. Der MdbK [next;raum] versteht sich als Ort der Entdeckung von neuen oder vergessenen Zusammenhängen. In unserem Shop MZIN können Sie ungewöhnliche Literatur zur Kunst aufspüren, und das Café Trefflädt zu kulinarischen Entdeckungen ein. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Luther und die äthopisch-orthodoxe Kirche

Empfehlungsschreiben für den äthiopisch-orthodoxen Mönch Abba Mikaᵓel von Martin Luther, 1534
Empfehlungsschreiben für den äthiopisch-orthodoxen Mönch Abba Mikaᵓel von Martin Luther, 1534

In der europäischen Wahrnehmung gilt das vormoderne Afrika meist als Kontinent ohne Geschichte. In hiesigen Geschichtsbüchern taucht es erst im Kontext der Kolonisierung auf, als Afrika von Europäern „entdeckt“ wurde. Diese Fehleinschätzung ist in den kolonialen Prämissen der europäischen Afrika-Forschung begründet. Ein kürzlich wiederentdeckter Brief Martin Luthers zeigt den transkonfessionellen Einfluss der äthiopisch-orthodoxen Kirche auf ihn und die Reformation. Im Sommer 1534 traf Luther in Wittenberg den äthiopisch-orthodoxen Mönch Abba Mikaᵓel (ሚካኤል). Bereits seit Beginn des vierten Jahrhunderts verbreitete sich das Christentum in Äthiopien, wurde jedoch mit der Ausdehnung des Islam im siebten Jahrhundert weitgehend vom Einfluss der Weltkirche isoliert. Die durch diese Isolation (vermeintlich) erhalten gebliebene Ursprünglichkeit war für Luther von besonderem Interesse. Er erhoffte sich Argumente für seine theologischen Auffassungen in Abgrenzung zur denen der katholischen Kirche, die in seinen Augen weit von der ursprünglichen Lehre abgewichen war. Exemplarisch für die Begegnung zwischen Abba Mikaᵓel und Martin Luther und die interkulturellen Verflechtungen zeigt das MdbK in den kommenden Monaten eine äthiopische Ikone im Kontext reformatorischer Gemälde der beiden Cranachs.

Zu Gast aus Los Angeles

Aelbert Cuyp, Ansicht von Dordrecht (Detail), um 1647
Aelbert Cuyp, Ansicht von Dordrecht (Detail), um 1647
Aelbert Cuyp, Ansicht von Dordrecht (Detail), um 1647
Aelbert Cuyp, Ansicht von Dordrecht (Detail), um 1647
Aelbert Cuyp, Ansicht von Dordrecht (Detail), um 1647
Aelbert Cuyp, Ansicht von Dordrecht (Detail), um 1647

Zwei Gemälde von Aelbert Cuyp (1620 - 1691), die heute dem Los Angeles County Museum of Art, USA, und dem MdbK gehören, zeigen Ansichten seiner Heimatstadt Dordrecht in Holland. Ursprünglich waren diese beiden Bilder, die linke und rechte Hälfte, Teil eines panoramaartigen Gemäldes. Jüngere Untersuchungen in Leipzig, Los Angeles und Dordrecht haben die Annahme einer Zusammengehörigkeit bestätigt. Das Gemälde aus Los Angeles tauchte erstmals 1822 in einer Nachlassauktion in Amsterdam auf. Zwischen 1759 und 1822 muss das ursprüngliche Großformat auseinandergesägt worden sein. In dieser Zeit erzielten Gemälde Cuyps auf dem europäischen Kunstmarkt hohe Preise. Dies könnte ein Grund dafür gewesen sein, die Holztafel in zwei Teile zu sägen. Die Präsentation der beiden Bilder nebeneinander wird im zweiten Obergeschoss in der Raumgruppe der Niederländischen Malerei, gemeinsam mit einer Dokumentation des Restaurierungsprozess gezeigt.

MdbK [next;raum]

Ausstellungsansicht Unterm Rock. Reflections on Gender Issues at MdbK [next;raum], 2022
Ausstellungsansicht Unterm Rock. Reflections on Gender Issues at MdbK [next;raum], 2022
Ausstellungsansicht Unterm Rock. Reflections on Gender Issues at MdbK [next;raum], 2022
Ausstellungsansicht Unterm Rock. Reflections on Gender Issues at MdbK [next;raum], 2022
Ausstellungsansicht Unterm Rock. Reflections on Gender Issues at MdbK [next;raum], 2022
Ausstellungsansicht Unterm Rock. Reflections on Gender Issues at MdbK [next;raum], 2022
Ausstellungsansicht Unterm Rock. Reflections on Gender Issues at MdbK [next;raum], 2022
Ausstellungsansicht Unterm Rock. Reflections on Gender Issues at MdbK [next;raum], 2022
Ausstellungsansicht Unterm Rock. Reflections on Gender Issues at MdbK [next;raum], 2022
Ausstellungsansicht Unterm Rock. Reflections on Gender Issues at MdbK [next;raum], 2022

Ein 60 m2 großer Raum inmitten der Sammlungspräsentation Renaissance ist zum MdbK [next;raum] umgebaut worden. In ihm sollen aktuelle gesellschaftspolitische Themen aufgegriffen, in Beziehung zur Arbeit des MdbK reflektiert und Dialoge darüber initiiert werden. Die Besucher*innen sind eingeladen, an diesem Prozess teilzunehmen. Aktivierende Wandtexte, ausgewählte Literatur (derzeit aus der feministischen Frauenbibliothek MonaliesA und der Bibliothek des MdbK) und Objekte geben dafür Anregungen. In Folge #1 beschäftigte sich seit Ende 2021 eine MdbK [next;raum]-Arbeitsgruppe mit 14 Teilnehmer*innen – u. a. aus den Bereichen politische Bildung, Theologie, Kunst, Soziologie und Kulturwissenschaften – mit dem Thema Repräsentation von Frauen* und Geschlechtern in den Sammlungen und Ausstellungen des MdbK. Ergebnisse ihrer Arbeit präsentiert die Gruppe bis zum 27.11.2022 unter dem Titel Unterm Rock. Reflections on Gender Issues at MdbK [next;raum]. Die Fragen und Anregungen finden außerdem Eingang in die internen Diskussionen im MdbK um Leitbild, Organisationsstruktur oder Ausstellungsplanung. Neue Veranstaltungsformate laden ab dem Herbst alle Interessierten ein, den Dialog fortzuführen.

Kunstvermittlung

Seit 2017 lädt das MdbK Frauen und Mädchen ab 14 Jahren einmal im Monat zum transkulturellen Sprachlern- und Begegnungsangebot Sprich mit mir! ein. Deutsch sprechende wie Deutsch lernende Frauen besuchen gemeinsam das MdbK und tauschen sich über Kunst und das Leben aus. Dabei erweitern sie ihre Sprachkenntnisse, knüpfen Kontakte und nutzen die Chancen gelebter Diversität. Sprich mit mir! ist eine Kooperation mit dem Soziokulturellen Zentrum Frauenkultur e. V. Leipzig und dessen Projekt FiA – Frauen in Arbeit. Interkulturelles Frauen- Informationsund Begegnungszentrum.
In den vergangenen beiden Pandemiejahren wurde das Sprachtandem um aufsuchende Kulturarbeit, z. B. in Gemeinschaftsunterkünften, erweitert.

MZIN – Concept Store

Karen Laube und Philipp Neumann im MZIN, 2022
Karen Laube und Philipp Neumann im MZIN, 2022
MZIN, 2022
MZIN, 2022

MZIN entstand 2008 als Diplomarbeit von Philipp Neumann an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst und wird seitdem von ihm und Karen Laube betrieben. Seit März 2022 bieten die beiden Grafikdesigner*innen im MdbK ihre sorgfältig kuratierte Auswahl internationaler Buch- und Magazintitel aus den Bereichen Kunst, Design, Architektur und Mode an. Ergänzt wird dieses Angebot um Künstlereditionen, die Kataloge des MdbK und Merchandiseartikel. Die exklusiv für das MdbK entwickelte Gestaltung des Shops ist flexibel, modular und prozessorientiert. An zwei Donnerstagen im Monat lädt MZIN zu Veranstaltungen mit Gästen aus den Bereichen Buchgestaltung, Verlagswesen, Kunst und Musik ein. Wechselnde kleine Ausstellungen sind den grafischen Künsten, vom Siebdruck über die Fotografie bis zum Künstlerbuch, gewidmet.